Bahnhofbuffet Bern? Ja klar!

Die grossen Säle der Bahnhofbuffets Basel oder Lausanne zeugen von einer prächtigen Zeit in der Bahnhofsrestauration. Im Bahnhof Bern hingegen deutet nichts auf eine ähnliche Vergangenheit hin. Der Schein trügt aber.

Restaurants und Bahnhöfe gehören seit Beginn des Eisenbahnzeitalters zusammen. So war bereits im 1847 erbauten Bahnhof Zürich der Spanischbrötlibahn eine Gaststätte untergebracht. Auch der erste Bahnhof Bern, 13 Jahre später in Betrieb genommen, verfügte über ein Buffet.

Speisen nach Klassen.

Die Gäste sassen im Buffet nach Klassen getrennt. Der Speisesaal erster und zweiter Klasse lag am Südende, jener dritter Klasse am Nordende des Kopfbahnhofes. Mit dem Umbau zum Durchgangsbahnhof 1891 wurde die Restauration in einem Neubau direkt am Gleis 1 untergebracht.

Bahnhofbuffet Bern II. Klasse, 1948
Dinieren im Bahnhofbuffet Bern II. Klasse, 1948 © SBB Historic

 

Die Trennung nach Klassen machte sich im Interieur sowie auf der Speisekarte der Gaststuben bemerkbar. So hatten die Menus der gehobenen Klasse mehr Gänge und waren teurer als jene der tieferen Klasse. Die Buffets waren aber nicht nur Kunden mit Billetts vorbehalten, sondern standen der gesamten Bevölkerung offen.

Speisesaal I. Klasse, 1953
Der Speisesaal I. Klasse, 1953 © SBB Historic

 

Bahnhofsatmosphäre.

Ursprünglich zur Verpflegung während einer Reise gedacht, wandelten sich die Buffets immer stärker zu offenen Gaststuben für alle. Das war auch nötig, hatten doch die Reisenden wegen stetig besseren Verbindungen oft kaum noch Zeit zum Genuss eines mehrgängigen Menus.

Die Angebote der Nachkriegszeit dokumentieren, wie mit kürzeren Umsteigezeiten die fliegende Verpflegung immer wichtiger wurde. So auch am Bahnhof Bern. Buffetwagen auf den Perrons boten ein kleines Grundsortiment an, Automaten präsentierten Süssigkeiten und Snacks und ein sogenanntes «Expressbuffet» bediente, wie auch an vielen anderen Bahnhöfen der Schweiz, die Reisenden.

Expressbuffet in Bern, 1949
Stehtische und die Bar prägen das Expressbuffet in Bern, 1949 © SBB Historic

 

In den Buffets bekamen die Reisenden Gesellschaft von einem Publikum, das die Atmosphäre der Eile, des Wechsels und die damit einhergehende Anonymität schätzte. Verliebte wie Randständige fanden dort ihren Platz.

Neue Restaurants im neuen Bahnhof.

Mit dem Umbau des Bahnhofs Bern 1974 wurde auch das gastronomische Angebot umgekrempelt. Die Klassenbuffets verschwanden und an ihre Stelle traten die Restaurants «Brasserie», «Trans-Express», «Rapid», «Soussol», «Taverna», «Terrassen-Café», «Galerie-Restaurant» oder «Grill Room».

Bahnhof Bern 1974
Der neue Bahnhof Bern 1974. Unten das Restaurant «Trans-Express», in der Mitte die «Brasserie» und oben das «Galerie-Restaurant». © SBB Historic

 

Der Bahnhof Bern war mit diesem Angebot seiner Zeit voraus. 1989 forderte ein Strategiepapier der SBB: «Die bestehende Klassenbezeichnung in den Bahnhof Buffets ist abzuschaffen. Die einzelnen Lokalitäten schaffen sich dank ihrem Angebot und ihrer Ambiance ein eigenes Profil.»

Selbstbedienung im Bahnhof Bern, 1969
Selbstbedienung als neues Konzept am Bahnhof Bern, 1969. © SBB Historic

 

Das Ende der klassischen Buffets war damit langsam gekommen. In Bern ist dieses Stück Kulturgut mit dem Neubau von 1974 verschwunden. In Basel und Lausanne soll es zumindest architektonisch erhalten bleiben.

Quellen:

  • Werner Huber, Bahnhof Bern 1860–2010, Zürich 2010.
  • Jonas Uebersax, Die Geschichte der Schweizer Bahnhofbuffets, Bern 2017 (Masterarbeit).

Weitere spannende Einblicke in die Schweizer Eisenbahngeschichte findest du im Blog von SBB Historic.

6 Artikel

2 Kommentare zu “Bahnhofbuffet Bern? Ja klar!

  1. Die „Neuzeit“ ist „schön und gut“, nur macht diese Art „Ernährung“ den Körper krank.
    In kurzer/ kürzester Zeit , im Stehen / im Laufen und am besten noch ( das ist Realität) im Rennen / im sich Abhetzen, wird GESOFFEN und GEFRESSEN, reingehauen……..
    Das Innenleben der Züge sieht oft sehr schlimm aus, versifft von Esserei und Sauferei ……
    Verbietet das Essen und Trinken im ÖV, weg mit den Abfallbehältern.
    Ich selber bin mit der SBB sehr zufrieden, obwohl mir für manche Dinge das Verstehen fehlt. Der FahrGAST ist GAST, und hat sich ebenso zuverhalten, hinsichtlich der Ordnung und Sauberkeit und seines Benehmens + Anstandes ……

  2. Auch in Solothurn wurde das Bahnhofbuffet aufgehoben und man steht im Bahnhof in der Kälte. Und muss man auf die Toilette, dann muss man sich in eine enge Kabine begeben. Wenn sie noch offen sind. Oft werden sie geschlossen, bevor überhaupt die letzten Züge angekommen sind. Wer hätte gedacht, dass es nach der Jahrtausendwende solche Rückschritte erfolgen. Die nächste Generation wird die Fehler der heutigen Planer beheben.

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