Ein Elefant wird 100: Die Lokomotive C 5/6 2978 feiert Geburtstag.

Wir gratulieren! Vor 100 Jahren verliess die Dampflokomotive C 5/6 2978 das Werk der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik SLM in Winterthur. Sie war die letzte normalspurige Dampflokomotive, die die SBB bauen liess. Eine Attraktion ist sie bis heute. In guter Erinnerung ist ihr Einsatz – und zugleich prominenter Fernsehauftritt – im Sommer letzten Jahres für «Schweiz aktuell am Gotthard».

Kurzer Rückblick.

Als die Gotthardbahn 1909 verstaatlicht wurde, übernahm die SBB beinahe alle von der Gotthardbahn beschafften Lokomotiven. Es zeichnete sich jedoch bald ab, dass die Leistung der Güterzugslokomotiven bei laufend schwerer werdenden Güterzügen für Strecken mit Steigungen über 10 Promille ungenügend waren. So entschloss man sich 1913, eine 5/6-gekuppelte Güterzugslok, die 300 Tonnen auf 25 Promille Steigung mit 25 km/h ziehen sollte, in Auftrag zu geben. Zuvor musste jedoch abgeklärt werden, ob (Laufmeter-)Gewicht und Achsdruck für den Einsatz auf der Gotthardstrecke überhaupt geeignet waren. Dies wurde umgehend untersucht «mit dem Ergebnis, dass die eisernen Brücken der Gotthardstrecke für den Verkehr der fraglichen C 5/6 Lokomotiven ohne Weiteres tragfähig genug sind».

Zwischen 1913 und 1917 wurden insgesamt 28 Lokomotiven des Typs C 5/6 mit den Nummern 2951 bis 2978 gebaut. Mit der Nummer 2978 ging eine Ära zu Ende. Denn bereits einen Monat vor Ablieferung der letzten Dampflok dieser Serie bestellte die SBB die Lokomotiv-Prototypen für den elektrischen Betrieb am Gotthard.

Alle C 5/6 wurden anfänglich dem damaligen Kreis V (ehemalige Gotthardbahn) zugeteilt. Schnell jedoch verloren die Lokomotiven ihr Haupteinsatzgebiet: Während des Ersten Weltkriegs brach der Transitverkehr am Gotthard drastisch ein und die Strecke Erstfeld–Chiasso wurde von 1920 bis 1922 sukzessive elektrifiziert. Auf die C 5/6 verzichten konnten die SBB allerdings noch lange nicht. Ende 1920 begann die grosse Umverteilung in die Flachlanddepots. Wichtigstes C 5/6-Depot wurde vorerst Brig, wo die Loks südlich des Simplon-Tunnels bis Domodossola eine optimale Verwendung fanden. Später beherbergte das Depot Basel zeitweise über 14 dieser Lokomotiven, so viele wie kein anderes.

Einsätze im Ausland.

Die C 5/6 fuhren nicht nur in der Schweiz, sie standen in beiden Weltkriegen auch in benachbarten Ländern im Einsatz: 1917 ab Genf über die Rhonetal-Linie als Versorgungszüge zur Linderung der Rohstoffknappheit in der Schweiz. Im Zweiten Weltkrieg sah man sie sowohl in Frankreich, wie auch in Deutschland. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Krieg war es unumgänglich, dass die C 5/6 bis zur vollständigen Elektrifikation des SBB Netzes auf den Schienen blieben. Die erste C 5/6 wurde 1954 ausrangiert, im November 1968 fand die letzte offizielle Fahrt mit einer C 5/6 statt.

Bewegte Geschichte der C 5/6 2978.

Unsere Jubilarin ist einer der noch vier erhaltenen «Elefanten», wie die C 5/6 auch genannt werden. Woher dieser Übernahme? Leider ist dies nicht schwarz auf weiss überliefert. Ein kurzer Vergleich mit den Elefanten aus Fleisch und Blut lässt vermuten, dass Eigenschaften, die diesen Tieren gemeinhin zugeschrieben werden, eine entscheidende Rolle spielen: Sie sind gross, kräftig, können schwere Lasten schleppen und sind eher gemächlich unterwegs.

Zurück zur C 5/6 2978: Sie hat in ihrer bewegten Geschichte bis heute rund 800 000 Kilometer zurückgelegt. Im Zweiten Weltkrieg stand auch sie in Deutschland im Einsatz. Alle C 5/6 kehrten bis Januar 1945 in die Schweiz zurück, nicht aber die beschädigte 2978. Nachdem sie der französischen Besatzungsmacht in die Hände fiel, zogen sich die Verhandlungen in die Länge, bis sie endlich Ende März wieder nach Basel fand. Kurz darauf schleppte sie mit zahlreichen anderen C 5/6 und C 4/5 Loks bis 1946 vorwiegend Versorgungszüge aus Frankreich Richtung Schweiz.

Ende der 1960er Jahre, in einem schnee- und lawinenreichen Winter erlebte die C 5/6 2978 nochmals einen spektakulären Einsatz auf der Gotthardlinie: Gemeinsam mit der Dampfschneeschleuder aus dem Jahre 1896 der ehemaligen Gotthardbahn räumte sie für den Nord-Süd-Verkehr die Strecke frei.

C 5/6 2978 mit Dampfschneeschleuder der ehemaligen Gotthardbahn, Fotoarchiv SBB Historic.
C 5/6 2978 mit Dampfschneeschleuder der ehemaligen Gotthardbahn, Fotoarchiv SBB Historic.

 

C 5/6 2978 mit Dampfschneeschleuder der ehemaligen Gotthardbahn, Fotoarchiv SBB Historic.
C 5/6 2978 mit Dampfschneeschleuder der ehemaligen Gotthardbahn, Fotoarchiv SBB Historic.

 

1967 wurde die C 5/6 2978 als historisches Triebfahrzeug klassifiziert und 1968 umfassend revidiert. Um zu verhindern, dass die Lokomotive einrostet, setzte die SBB sie vor Extrazügen ein, was im Laufe der Zeit Spuren hinterliess. Für das Jubiläum «150 Jahre Schweizer Bahnen» sollte sie wieder fit sein und wurde daher 1996 in der Hauptwerkstätte Biel einer Hauptrevision unterzogen.

Werkstätte Biel, Hauptrevision 1968, Fotoarchiv SBB Historic.
Werkstätte Biel, Hauptrevision 1968, Fotoarchiv SBB Historic.

 

Werkstätte Biel, Hauptrevision 1968, Fotoarchiv SBB Historic.
Werkstätte Biel, Hauptrevision 1968, Fotoarchiv SBB Historic.

 

Probefahrt von Biel nach Neuenburg nach der Hauptrevision 1968, Fotoarchiv SBB Historic.
Probefahrt von Biel nach Neuenburg nach der Hauptrevision 1968, Fotoarchiv SBB Historic.

Im stolzen Alter von 100 Jahren – ein weiteres Merkmal ihrer lebenden «Verwandten», die bis zu 70 Jahre alt werden können – ist die C 5/6 2978 nun im Depot Brugg als Vertreterin der stärksten Dampflokomotive der SBB stationiert. Aktuell wird sie revidiert, um auch in ihrem Jubiläumsjahr in alter Frische zu neuen Fahrten aufzubrechen.

 

Quellen:

  • Archiv SBB Historic: Dossier GD_BAU_SBBVIPAS_002_02, 1904–1916
  • Moser, Alfred: Der Dampfbetrieb der schweizerischen Eisenbahnen 1847–2006, SVEA, 2006
  • Scherler, Lorenz: Die Geschichte der Güterzug-Dampflokomotiven C 5/6 der SBB und die Aufarbeitung der Lokomotive 2978, in: Schweizer Eisenbahn-Revue, 12/1996, S. 551–559
  • Zellweger, Christian: A 3/5, Tigerli, Elefant & Co.: Das Erbe des Dampfzeitalters, AS Verlag, 2004

 

UE67783Text: Susanne Hofacker, Leiterin Sammlungen und Bibliothek bei SBB Historic.

Weitere spannende Einblick in die Schweizer Eisenbahngeschichte findest du im Blog von SBB Historic.

 

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