In neuem Licht betrachtet.

Ich habe in meinem Haus im jurassischen Saint Ursanne alle bisherigen Lampen durch energieschonende LED-Lampen ersetzt. Das wäre doch auch etwas für die Fahrzeuge der SBB?

Gruss Ralf

 

Lieber Ralf

In der Tat. Die SBB ist daran, hier den Schalter umzulegen, im sprichwörtlichen Sinn. Die etwas altväterisch anmutenden Fluoreszenzröhren in den Zügen werden in den kommenden Jahren sukzessive durch LED-Beleuchtung abgelöst. Wie du richtig bemerkt hast, fressen diese weniger Strom. Sie geben jedoch auch ein stabileres und gleichmässigeres Licht ab – den «Blick am Abend» zu vorgerückter Stunde zu lesen, dürfte also künftig für die Augen weniger anstrengend sein.

Es gibt aber noch einen anderen Grund, weshalb die SBB auf LED-Beleuchtung umstellen will: Diese hat nämlich eine höhere Lebensdauer und ist einfacher im Unterhalt, was natürlich ebenfalls positiv ist. Die Umrüstung auf LED-Beleuchtung ermöglicht alleine bei den IC-2000-Zügen mit ihren 341 Fahrzeugen eine Energieeinsparung von 275 Haushalten pro Jahr, das entspricht in etwa dem Energieverbrauch der Gemeinde Saint Ursanne, in der du wohnst. Du kannst dir vorstellen, dass dafür nicht nur ein Dutzend Lampen gewechselt werden müssen, wie dies vielleicht in einem Einfamilienhaus der Fall ist… über den Daumen gepeilt sind es alleine bei der IC-2000-Flotte knapp 17 000 Stück.

Beleuchtung im IC2000-AD-Wagen mit LEDb

Vielleicht hast du ja zuhause neben neuen LED-Lampen auch eine moderne Heizung, die sich zu bestimmten Zeiten ein- bzw. ausschaltet, je nach Gebrauch. Genau das ist auch ein Thema bei der SBB, denn während fast der Hälfte am Tag sind die Züge im Gleisfeld oder sonst wo abgestellt. Die SBB hat in ihren Fahrzeugen eine Heizung mit Schlummerfunktion nachgerüstet, eine Art Standby-Modus, wie du ihn beim Computer kennst: Statt also permanent zu heizen, wird die Innentemperatur des Zuges während der Zeit auf dem Abstellgleis auf 10 bis 12 Grad reduziert und erst vor dem Einsatz auf den Schienen wieder erhöht. Alleine diese Anpassung spart Energie von rund 10 000 Haushalten.

Bei einigen Zügen der Zürcher S-Bahn basiert der Schlummerbetrieb gar auf dem Fahrplan. Das heisst, das Fahrzeug weiss, wann sein nächster Einsatz ist und heizt dann zur gewünschten Zeit selber auf, sodass die Reisenden in einen vorgewärmten Zug steigen. Und wenn wir schon beim Thema sind, spannend ist auch – entschuldige bitte den Begriff! – die «Besetzungsabhängige Aussenluftvolumenstromsteuerung». Was lang und kompliziert tönt, ist eigentlich einfach: Statt permanent für einen vollbesetzten Zug Luft ins Wageninnere zu blasen, wollen wir künftig (wo möglich) die Luftzufuhr auf die Anzahl Fahrgäste ausrichten.

Aussenluftklappe des IC2000 für bedarfsabhängige Aussenluftsteuerung

Dies nur ein paar Beispiele, an welchen Fronten die SBB zurzeit aktiv ist, um die Züge noch energieeffizienter zu machen. Zählt man alle Verbesserungen zusammen, so sparen die SBB-Fahrzeuge alleine in diesem Jahr Energie von gegen 60 GWh. Das ist das Doppelte, was alle Haushalte der Stadt Olten in einem Jahr verbrauchen. Zusammen mit den anderen Massnahmen wie der energiesparenden Fahrweise der Lokführer, der adaptiven Lenkung und den Massnahmen in Gebäuden sparen wir in diesem Jahr fast den Verbrauch der Haushalte der Stadt Bern!

 

 

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