Lange Leitung.

Lieber Dr. Bahnsinn,

stimmt es, dass die Fahrleitungen der SBB zusammengezählt 8500 Kilometer lang sind?

Vera

Hallo Vera

Ja, das dürfte hinkommen, da bekanntlich das ganze SBB Streckennetz elektrifiziert ist, mal abgesehen von den Abstellanlagen, Rangiergleisen und Anschlussgleisen, die ich hier nicht mitzähle. Dies entspricht tatsächlich den von dir erwähnten 8500 km Fahrleitung, was in etwa der Luftlinien-Distanz zwischen Hamburg und Windhoek, der Hauptstadt Namibias, entspricht.

Wenn wir schon beim Thema sind: Fahrleitungen dienen in erster Linie dazu, die elektrische Versorgung von Fahrzeugen mit Energie sicherzustellen. Dabei ist Strom natürlich nicht gleich Strom: Der Fahrstrom bei der SBB ist 15 000 Volt bei 16 ⅔ Hertz und hat teils Stromstärken von mehreren 1000 Ampères. Du kannst dir vorstellen, dass hier die Sicherheit allerhöchste Priorität haben muss, denn es kommen gleich mehrere Risikofaktoren zusammen: Erstens die Gefahren des Bahnbetriebes, zweitens die Gefahren der Arbeit in der Höhe und drittens die Gefahren des elektrischen Stromes. Arbeitssicherheit ist folglich das A und O. Denn wir wissen ja alle, dass Strom unsichtbar ist, man riecht oder hört ihn nicht. Schon eine blosse Annäherung kann also schlimme Folgen haben.

Lass mich noch etwas zum Unterhalt und Bau der Fahrleitungen sagen: Fahrleitungen sind aus Kupfer oder Kupferlegierungen und müssen etwa alle 20 Jahre ersetzt werden, je nach Nutzung der Strecke und Abrieb durch die Stromabnehmer der Lokomotiven. Die Tragwerke – sie sorgen dafür, dass die Fahrleitung immer exakt über den Schienen verläuft – halten hingegen bis zu 80 Jahre. Damit das Schienennetz mit Energie versorgt werden kann, muss der Fahrdraht zentimetergenau in der Höhe und in der Seitenlage eingestellt werden. Meinen Kollegen von SBB Infrastruktur zufolge ist dies speziell bei Weichen anspruchsvoll – dort also, wo mehrere Fahrdrähte zusammenkommen respektive der Übergang vom einen zum anderen Fahrdraht präzise eingestellt werden muss.

Übrigens, Arbeiten an Fahrleitungen werden fast nur nachts erledigt, da dafür der Strom abgestellt werden muss und somit auch ein stark reduzierter oder gar eingestellter Bahnbetrieb Voraussetzung ist. Nach jeder Nachtschicht muss die Fahrstrecke zunächst wieder fahrbar gemacht werden. Das heisst, ungefähr ein Drittel der zur Verfügung stehenden Zeit wird für das Erstellen des Fahrprovisoriums verwendet, die erste und letzte halbe Stunde ist für das Sperren und Erden der Fahrleitung vorgesehen. Somit bleiben von einer normalen Sechs-Stunden-Sperrung noch rund drei Stunden für die eigentliche Arbeit an der Fahrleitung.

Falls du dich in das Thema Fahrleitungen weiter vertiefen oder es gar zum Beruf machen möchtest: Die SBB bildet Fahrleitungsmonteurinnen und -monteure aus: eine abwechslungsreiche Tätigkeit, die für einen reibungslosen, pünktlichen und zuverlässigen Bahnverkehr zentral ist!

Dein Doktor Bahnsinn

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3 Kommentare zu “Lange Leitung.

  1. Lieber Dr. Bahnsinn

    Plural oder Singular

    Hallo Beat Bollinger. Wie ist eigentlich die formelll richtige bzw, offizielle Sprachregelung bei den/der SBB. Heisst es Schweizerische Bundesbahnen oder Schweizerische Bundesbahn. Seinerzeit sind die SBB meines Wissens ursprünglich aus dem Zusammenschluss verschiedener privater Gesellschaften entstanden. Sicher kein weltbewegendes Problem, dennoch für mich doch von Interesse. Besten Dank für die Beantwortung. In den Medien sind immer wieder verschiedene Schreibweisen feststellbar.
    Besten Dank und freundliche Grüsse.

    Heini Kurath

    1. Tatsächlich hat die SBB früher die Mehrzahl im Sinne von «Die Schweizerischen Bundesbahnen» verwendet. Vor einigen Jahren kam sie jedoch davon ab, nicht zuletzt auch, weil sie sich enger an den Sprachgebrauch der Deutschschweizerinnen und -Schweizer anlehnen wollte. So wird die SBB in der Deutschschweiz in der Einzahl verwendet: «I gah mit der SBB» und nicht «I gah mit de SBB». Hinzu kommt, dass der Singular ja bei vielen Marken gebräuchlich ist. Demgegenüber wäre der Singular im Französischen und im Italienischen befremdend, deshalb sind CFF und FFS dort im Plural.

      Konkret sieht es so aus: Die SBB unterscheidet heute für eigene Drucksachen und in Kommunikationsmitteln zwischen a) SBB im Inland: Im Deutschen gilt hier der Singular: „Die SBB hat …“, die Pluralform wird in Texten nicht verwendet. B) Juristische Schreibweise: Gemeint ist «Schweizerische Bundesbahnen SBB». Das Verb folgt im Plural. c) SBB im Ausland: Auch hier gilt in den deutschsprachigen Ländern der Singular. Bei der ersten Erwähnung folgt der Zusatz «die Schweizer Bahn»

      Ich hoffe, Sie können mit diesen Ausführungen etwas anfangen.

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