Historische Reise in den Süden.

200 Brücken und 7 Kehrtunnels passiert der Gotthard Panorama Express auf seiner Reise in den Süden. Auf der Fahrt an der Rütliwiese, der Tellskapelle und der Kirche von Wassen vorbei lässt sich auf der Gotthard Panoramastrecke ein Stück Schweizer Geschichte erleben. Wir waren bei der Jungfernfahrt dabei.

Text: Anne Gabriel-Juergens; Fotos: Simona Marty

Gewiss, es ist nicht die schnellste Verbindung von Nord nach Süd. Rund fünf Stunden dauert die Fahrt mit Dampfschiff und Panoramazug ins Tessin. Dafür aber zeigt sich die Schweiz entlang der Gotthard-Panoramastrecke von ihrer schönsten Seite. Hunderte Passagiere frönten auf der Jungfernfahrt des Gotthard Panorama Express dem Langsamverkehr – unter ihnen auch Andrea Amstutz und ihr Mann Stephan.

«Wir sind beide aus der Innerschweiz und fahren oft Richtung Süden», sagt sie auf dem Deck des Dampfschiffs, das seine Fahrt Richtung Flüelen aufgenommen hat. Nach einem bewölkten Start in Luzern blinzelt nun die Sonne hinter den Wolken hervor.

«Ich bin immer wieder erstaunt, in was für einem schönen Land wir leben», fährt Andrea Amstutz fort. Ihr Mann Stephan nickt ihr zu. Die Strecke entlang des Vierwaldstättersees führt die Reisenden vorbei an geschichtsträchtigen Orten wie dem Rütli, dem Schillerstein oder der Tellskapelle. «Und dies erst noch unter freiem Himmel und mit der Sonne im Gesicht, was will man mehr?», schwärmt das Ehepaar.

Nach einer gut zweieinhalbstündigen Fahrt mit dem Dampfschiff steigen die Passagiere in Flüelen auf die Schienen um.

Andrea und Stephan machen es sich im 1.-Klasse-Panoramawagen gemütlich. «Wir geniessen es, mal wieder einen Tag nur für uns zu haben», sagt Andrea. Die Kinder hätten heute Grosspapa-Tag. «Und gerade weil die Reise etwas länger dauert, haben wir als Paar wieder einmal Zeit, uns in Ruhe zu unterhalten.» Ihr Blick wandert aus dem Fenster. Der Zug passiert die Kirche von Wassen.

Dreimal insgesamt zeigt sich das Wahrzeichen des Kantons Uri, bevor der Zug im 1882 erbauten Gotthardtunnel – dem historischen Tor zur mediterranen Schweiz – verschwindet.

Auf der anderen Seite des Bergs eröffnet sich den Reisenden eine neue Welt: «Palmen, mildes Klima, Sonnenschein. Wenn wir im Tessin ankommen, fühlen wir uns immer wie in den Ferien», sagt Andrea, kurz bevor der Panorama Express in Bellinzona einfährt. Viel Zeit bleibt dem Ehepaar allerdings nicht, das Tessin zu geniessen – bereits am Abend geht es zurück in die Innerschweiz. «Dann aber in der schnellen Variante durch den neuen Gotthard-Basistunnel.»

 

APROPOS:

Der Gotthard Panorama Express verkehrt bis am 22. Oktober jeweils am Wochenende und vom 3. Juli bis zum 20. Oktober 2017 täglich. Die Plätze sind online buchbar. Der Zug bietet einen Fotowagen mit Fenstern, die sich öffnen lassen, und Erläuterungen zum Streckenverlauf. Eine dazugehörige App liefert Hintergründe zur Geschichte und zum Mythos Gotthard.

 

Dieser Artikel erschien in der Juni-Ausgabe 2017 der Zeitschrift via. Das Magazin des öffentlichen Verkehrs ist an (fast) jedem Bahnhof kostenlos erhältlich.

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