Interview mit Dr. Ruedin: Ein Arzt wird grün.

Jorge Guerreiro, SBB Green-Class-Blogger, im Gespräch mit dem Pilotkunden Dr. Ruedin.

«Kommen Sie herein!» Der Empfang ist herzlich, als ich in Morges in der Praxis von Dr. Ruedin ankomme. Dieser Arzt wurde als Testkunde für das SBB Green-Class-Abo ausgewählt.

Er hat mit seinem Text «Inspektion und Abnahme des BMW i3» bereits tatkräftig über seine diesbezüglichen Alltagserfahrungen berichtet. Darin beschreibt er die Einführung in die Handhabung des Elektroautos im BMW Brand Experience Center, die ersten Meter am Steuer und schliesslich seine Heimfahrt im neuen Auto. Ich nutze diesen Vorwand für einen Besuch, um diese Eindrücke direkt von ihm zu hören. Lest selbst.

Kannst du uns zuerst in ein paar Sätzen sagen, wer du bist?

Mein Name ist Thierry Ruedin, ich bin 50 Jahre alt und Allgemeinarzt in Morges. Ich bin Vater von drei Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren. Ich habe mich für dieses Pilotprojekt interessiert, weil ich viel Zug fahre und mir bereits etwas wie dieses Abo wünschte.

Welche Verkehrsmittel hast du vor diesem Abo genutzt? Wie oft?

Ich habe verschiedene Phasen durchgemacht. Eine Zeit lang hatte ich ein Auto, mit dem ich von meinem Wohnort am Jurafuss nach Morges zur Arbeit fuhr. Danach wollte ich mehr den ÖV nutzen, weil der Verkehr in Morges zu den Stosszeiten sehr dicht ist. Trotzdem brauche ich aber ein Auto in Morges für die Hausbesuche und den Pikettdienst. Deshalb hatte ich zusätzlich zu meinem Auto zuhause einen Zweitwagen mit Wechselschild in der Praxis. Ich fuhr also mit den Wechselschildern im Rucksack per Zug zur Arbeit. Allmählich nahm ich immer weniger Hausbesuche und Pikettdienste vor und die Zahl der ungeplanten Fahrten nahm ab. Heute komme ich mit dem Zug und habe ein Velo hier, mit dem ich die paar Hausbesuche in der Region erledige.

Wie hast du von dem neuen SBB Green-Class-Abo erfahren?

Ich habe den SBB Newsletter bekommen, in dem das Projekt beschrieben wurde, und gleichzeitig auf der Strasse die Schlagzeile «Die SBB lanciert ein Generalabonnement für 12 000.– Franken» gelesen, die mir aus dem Zusammenhang gerissen und irreführend schien. Aber dadurch bin ich neugierig geworden und habe den Newsletter noch einmal genau gelesen. Schliesslich habe ich auf einer Zugfahrt mit meiner Familie das Teilnahmeformular ausgefüllt. Allerdings war ich sehr überrascht, meinen Namen tatsächlich auf der Auswahlliste zu lesen!

Was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass du an diesem Projekt teilnehmen wolltest?

Es kam überraschenderweise sehr nah an das heran, was ich bereits machte. Ich legte kleine Strecken mit dem Auto zurück, einem Diesel, dessen Verbrauch zwar sehr niedrig, der aber für kurze Strecken nicht optimal war. Ich nehme oft den Zug, teilweise das Velo, und habe mich bereits schon für Publibike interessiert. SBB Green Class bietet mir also eine Form der Mobilität, die mir sehr gefällt.

Hast du früher schon einmal ein Elektroauto ausprobiert?

Nein. Aber ich bin Mobility-Genossenschafter auf Lebzeiten und bin mit diesem System vertraut.

Welches dieser positiven Argumente war am Ende entscheidend?

Das hing nicht unbedingt mit dem Angebot selbst zusammen: Ich war mit dem Auto, das ich gekauft hatte, unzufrieden. Es war nagelneu, noch keine zwei Jahre alt und ich hatte noch keine 16 000 Kilometer gemacht, aber ich wollte es bereits wieder verkaufen. Meine drei Kinder und meine Frau hatten bereits ein General-Abo der SBB. Nur ich besass noch keines.

Was war deine erste Reaktion auf die Lieferung deines BMW i3, der im SBB Green-Class-Abo inbegriffen ist?

Alles war extrem gut organisiert. Was das Auto selbst angeht, hatte ich zwar in meiner Jugend eine Phase, in der ich mich für Sportwagen interessierte, aber heute brauche ich eher ein kleines praktisches Auto. Seine Ausstattung und Grösse sind genau das, was ich wollte.

Welche Zwischenbilanz ziehst du zwei Monate nach dem Beginn deiner Erfahrung mit SBB Green Class?

Eine insgesamt sehr positive, wenn man einmal von ein paar schlechten Erfahrungen mit den Ladestationen absieht. Wir haben eine Charge-Now-Karte bekommen, die so gut wie nutzlos ist. So habe ich versucht, das Auto in einem Einkaufszentrum in Bussigny aufzuladen. Nachdem ich eine Handymitteilung bekommen hatte, die Batterie sei voll, musste ich vor Ort feststellen, dass ein Problem aufgetreten und das Aufladen unterbrochen worden war. Ich habe die Green-Class-Hotline von BMW angerufen, wo man mir freundlich erklärte, dass ein Sternchen neben der Ladestation auf dem Navi anzeigt, dass dort mit der Charge-Now-Karte bezahlt werden kann. Leider geht das in unserer Region nur an wenigen Orten. Abgesehen davon finde ich das Auto super und auch das Zugangebot. Am Samstag fahren wir zum Beispiel mit der ganzen Familie mit dem Zug in die Ferien nach Zermatt. Ich finde auch das Mobility-Angebot noch immer sehr sinnvoll. Publibike konnte ich angesichts der Jahreszeit bisher nur einmal ausprobieren, aber ich bin zuversichtlich, dass mir auch dieser Aspekt des Angebots gefallen wird. Der einzige Haken ist, dass es in Morges in der Nähe meiner Praxis keine Station gibt.

Hast du eine Anekdote aus deinen ersten Wochen mit SBB Green Class für uns?

Ja! Einmal zum Auto: Man trifft immer wieder auf andere Fahrer desselben Modells mit Berner und Zürcher Nummer. Einmal war das abends nach dem Sport: Ein Herr wartete in einem weissen i3 auf dem Parkplatz. Ich habe an seine Scheibe geklopft und gefragt, ob er auch Testkunde sei, was der Fall war. Hierauf haben wir mit mehreren anderen SBB Green-Class-Abonnenten eine WhatsApp-Gruppe gegründet, in der wir über unsere Erfahrungen austauschen. Ganz regelmässig. Das Auto gefällt allen, meine Freunde waren überrascht, wie gut es zieht. Was das Zugfahren angeht, musste ich vor Kurzem von Bern nach Zürich und war überrascht, wie voll der Zug war. Selbst in der 1. Klasse kann man froh sein, wenn man einen Sitzplatz bekommt! Allgemein fällt mir auf, dass es etwas mehr Verspätungen gibt als zum Beispiel zu meiner Studienzeit. Aber ich nehme an, das hängt damit zusammen, dass viel mehr Züge fahren. Abgesehen davon ziehe ich aus meinen ersten Erfahrungen eine positive Bilanz. Eine wirklich sehr positive!

Wie verteilt sich deine Zeit auf die verschiedenen von SBB Green Class angebotenen Verkehrsmittel?

Eine Fangfrage! Ich bin heute Morgen recht erschrocken, als ich die Green-Class-App auf meinem Handy aufgerufen habe. In den letzten zwei Wochen habe ich fast nur das Auto genommen, weil ich in letzter Zeit viele Hausbesuche machen musste. Aber jetzt fahre ich mit dem Zug in die Ferien, diese Langstrecke wird die Statistik wieder ausgleichen.

Wie hat deine Familie auf die Teilnahme am Projekt SBB Green Class reagiert?

Das betrifft hauptsächlich meine Frau. Sie arbeitet in Lausanne und hat ein normales Auto. Zudem hat sie ein General-Abo, um mit dem Zug zur Arbeit zu fahren, muss aber manchmal das Auto nehmen, um berufliche Dinge in der Region zu erledigen. Als ich ihr von meiner Idee, an diesem Projekt teilzunehmen, erzählt habe, hat sie mich sofort unterstützt. Sie kennt meinen Pseudo-Ökospleen schon. Ich muss sagen, dass ich ziemlich umweltbewusst bin. Es ist einfach, sich zu beschweren, wenn wir wie zum Beispiel heute 14°C haben, obwohl es erst Februar ist, und zu verlangen, dass die anderen die Umwelt weniger verschmutzen, während man nichts an den eigenen Gewohnheiten ändert. Meine Töchter fragen mich noch immer, ob ich sie da- oder dorthin fahre, aber inzwischen sage ich «Nein» und verweise sie auf den Bahnhof!

 

 

 

 

 

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