Mama on tour – mit dem Kinderwagen im Zug.

Nach 10 Wochen Mama-Sein kam der Tag, an welchem ich das erste Mal mit Baby und Kinderwagen Zug fahren musste, denn ich musste von Basel aus an ein Meeting nach Zürich, besuchte vorher aber noch meine Freundin in Dietikon. Tram fahren in Basel meistern Strampelchen und ich ja bereits sehr erfolgreich. Trotzdem war ich unglaublich nervös vor der ersten Reise mit dem Zug. Wo befindet sich der Einstieg, der für Babywagen geeignet ist? Wie hieve ich den Kinderwagen in den Zug? Hilft mir jemand am Ausgangs- und Zielort? Wie verhält sich Strampelchen und wie reagieren die anderen Fahrgäste auf eine Mama mit Kinderwagen?

Die Zugfahrt plante ich wie immer mit der SBB Mobile App. Dabei fiel mir bei der Verbindung nach Dietikon die Bezeichnung FZ auf, welche für Familienzone steht. Okay, dachte ich mir, da bin ich bestimmt richtig. Auf meine Anfrage hin, wo sich denn diese Zone bei der gewählten Zugverbindung genau befindet, informierte mich der SBB Rail Service via Twitter darüber, dass sich Familienzonen stets im ersten Wagen hinter der Lok oder im letzten Wagen einer Zugkomposition befinden. Blöd nur, wenn man am falschen Ort bereit steht.

An besagtem Tag war ich zeitlich knapp dran und hatte das grosse Glück, dass mir der Zugchef auf dem Perron direkt entgegen kam und ich ihn somit gleich fragen konnte, wo ich denn am besten einsteige mit Kind und Kegel. Er erkundigte sich zuerst höflich bei mir, in welcher Klasse ich denn reisen würde. Dies gefiel mir sehr, denn hätte der nette Herr mich von sich aus kategorisiert, wäre mir das bestimmt negativ aufgefallen. Chapeau!

Familienzone mit SpieltischDie Familienzone (ich reise 2. Klasse) befand sich im letzten Wagen des Zuges. Damit besteht die Gefahr, dass einem ausserhalb von Stosszeiten niemand zur Verfügung steht, der einem hilft, den Babywagen in den Zug zu bugsieren. Mir half der nette Zugchef, der mich auch gleichzeitig instruierte, wie das  Einsteigen am besten funktioniert. Für alle Neueltern: Wir steigen, den Babywagengriff haltend, rückwärts in den Zug ein und die helfende Person hebt den Wagen unten an. Voilà – drin waren wir.

Die ersten Bankreihen in der Familienzone sind entfernt. Dieser Bereich bildet somit den Kinderwagenparkplatz. Das ist sehr praktisch. Für die etwas älteren Kinder ist auf den Tischchen in den Abteilen ein niedliches Brettspiel aufgemalt – also unbedingt daran denken, Spielsteine und Würfel miteinzupacken. Diese sind aber auch im Zugrestaurant, Bistro oder der Minibar erhältlich. Online habe ich noch erfahren, dass es in gewissen Doppelstockzügen sogar richtige Kinderspielparadiese gibt! Diese sind im Fahrplan mit FA gekennzeichnet.

 

Der freundliche Zugchef erkundigte sich bei der Abfahrt noch nach meinem Reiseziel. Ich musste in Dietikon aussteigen. Er bot mir an, dass er mir beim Aussteigen erneut behilflich sein würde. Darüber war ich wirklich froh, denn bis auf zwei weitere Personen am anderen Ende des Wagens war dieser leer. Was wiederum den Vorteil hatte, dass ich somit in Ruhe stillen konnte und Strampelchen danach friedlich einschlief. Wie vereinbart, half mir der freundliche SBB Mitarbeiter am Zielort auszusteigen.

Tipps & Tricks.

Nebst dem SBB Personal bieten einem viele Mitreisende von sich aus ihre Hilfe beim Ein- und Aussteigen an, was uns Eltern das Leben wirklich sehr erleichtert. Danke an dieser Stelle. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, bitte nicht schüchtern sein und höflich um Hilfe fragen.

Rahel on TourReicht es einem nicht, rechtzeitig zur Familienzone zu gelangen, so eignen sich auch die Eingänge, die mit einem Rollstuhlsymbol gekennzeichnet sind für die Reise mit Kinderwagen. Im ersten Abteil lassen sich nämlich die Bänke hochklappen. So kann man den Wagen parkieren und findet selbst daneben auch noch Platz. Aus Rücksicht auf die anderen Fahrgäste ist es angebracht, sich hier ruhig zu verhalten, wenn auch mit einem Kleinkind nicht immer möglich. Umgekehrt gilt jedoch ebenso: In der Familienzone darf es ruhig ein wenig lauter zu und her gehen als in den anderen Bereichen.

Ach und noch was: Ich persönlich versuche Stosszeiten zu vermeiden, denn dann sind die Züge meist überfüllt und gerade abends ist Strampelchen oft zum Quengeln aufgelegt. Das bekommt ihr nicht, mir nicht und den anderen Fahrgästen ebenso wenig.

Meine Wünsche an die SBB.

Ein Wickeltisch oder Wickelbereich wäre super! Dieser muss nicht in die engen WCs integriert werden. Eine entsprechende Fläche in der Familienzone tut es auch. Wir Eltern sind da unkompliziert, aber wären froh drum.

Schön wäre es auch, wenn es so etwas wie ein Stillabteil geben würde. Das könnte sich auch nur durch eine Signalisierung von den anderen Sitzgruppen unterscheiden. So hätten wir Mamas Raum und ein wenig Privatsphäre um den Bedürfnissen unserer kleinen Schätzchen nachzukommen.

 

Hinweis: Doktor Bahnsinn wurde bereits einmal gefragt, wie man im Zug am besten wickelt. Lies die Antwort und erfahre, warum es in Zukunft für Zug fahrende Eltern und Babys wickeltechnisch angenehmer wird.

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2 Kommentare zu “Mama on tour – mit dem Kinderwagen im Zug.

  1. Liebe Frau Schneider
    Ich musste heimlich lachen, denn mir gings bei meinem ersten Mal mit Kinderwagen genauso… Damals habe ich gerne auch in der von uns liebevoll „Sofaecke“ genannten Sitzgruppe Platz genommen. Dort hat man zwar keine Privatsphäre, weil alle vorbeilaufen, aber das bietet einem Baby und Kleinkind ja auch jede Menge Abwechslung zum Schauen (und damit weniger Möglichkeiten, sich durch Schreien bemerkbar zu machen). Diese Abteile gibts in Doppelstockzügen in der 2. und in der 1. Klasse. Und dann noch das mit dem Wickeln. Der Albraum für alle. Und ich meine alle, mich eingeschlossen. Der Tipp mit dem Wickeln im Kinderwagen ist eigentlich der beste (der Link dazu ist ganz am Ende nach dem Blogbeitrag). Denn ich würde mein Baby oder Kleinkind lieber nicht durch den wackelnden Zug bis zu einer grösseren Toilette tragen. Da ich den Kinderwagen meist vor den Abteilen oder – im Doppelstöcker unten – hatte, bin ich halt zum Kinderwagen gegangen, hab meine faltbare Wickelunterlage genommen und das Kind frisch gemacht. Die «Stinkbombe» hab ich dann beim Aussteigen auf dem Perron in einen grossen Abfalleimer geworden, weil sie im Zug zu entsorgen, naja, eben. Übrigens: Im Bistro macht die Zugfahrt auch Spass, vor allem mit grösseren Kindern, weils genügend Platz für Spiele hat und man nebenbei noch einen Kaffee oder einen Sirup bekommt. In diesem Sinne: weiterhin gute Fahrt mit Kindern.

  2. Etwas deplatziert finde ich die Frage nach 1. oder 2. Klasse schon, denn wenn sie in einen FZ oder FA wollen, geht das in der 1. Klasse gar nicht. Diese gibt es nur in der 2. Klasse.
    Wenn es keinen FA gibt, sitzen wir mit Krümelchen meisten in der 1. Klasse. Da haben wir mehr Platz und auch schon die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht.

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