Mit LEA im Führerstand.

Lange war ich einer der letzten Mohikaner, die noch mit dem «LEA II» unterwegs waren. «LEA» steht für «Lokpersonal Electronic Assistant». Das LEA II war ein Notebook: gross, klobig und mit seinen zwei Akkus furchtbar schwer. Ich nannte es «Hinkelstein».

Jetzt bin ich erleichtert. Im wahrsten Sinne des Worts. Ende August habe ich mein «LEA 3» – ein iPad –  erhalten. Sein Gewicht ist fast schon vernachlässigbar. Der Bildschirm ist knackscharf und die Kontrastwerte lassen sich sowohl bei Tag als auch bei Nacht optimal anpassen. Das Feedback vom Lokpersonal zu diesem Gerät ist denn auch fast durchwegs positiv. Auch die Führung hat Freude. Ein LEA 3 kostet wesentlich weniger als das frühere Notebook.

«Bei Grün fahren, bei Rot halten. Dazu braucht‘s doch keinen Computer!»
Ganz so einfach ist es nicht… Die «LEAs» erfüllen verschiedene Aufgaben.

Während der Fahrt zeigt der Bildschirm alle relevanten Angaben. Es ist eine Kombination aus der Streckentabelle und der Fahrordnung. Ich bin im Bild über:

  • Angaben zur Strecke: Kilometrierung, Steigung oder Gefälle
  • Telefonnummern der Zugverkehrsleiter
  • Notwendigkeit und Art der Abfahrerlaubnis
  • Betriebspunkte wie Bahnhöfe, Haltestellen, Spurwechsel
  • Schutzstrecken
  • Langsamfahrstellen. Diese Informationen sind tagesaktuell.
  • Blocksignale
  • Bahnhof-, Kurven- und Streckengeschwindigkeiten
  • Durchfahrts- und Haltezeiten
  • Halteorte

Die Anzeigen auf dem Bildschirm «fahren» mit dem Zug mit. Es wird also immer der momentane Ort zuoberst dargestellt.

Auch ausserhalb des Fahrbetriebs sind die LEA-Geräte nützlich. So kann ich Rapporte über Verspätungen oder Zwischenfälle, aber auch Verbesserungsvorschläge übermitteln. Und wir können damit von überall via Mobilfunk aufs Internet und auch auf das Intranet der SBB zugreifen. Als Lokführer bin ich nämlich verpflichtet, regelmässig die neusten Weisungen und meinen E-Mail-Account zu konsultieren.

Die meisten unserer vielen Vorschriften sind lokal auf dem Gerät abgespeichert. Sie werden permanent aktuell gehalten. Auch die Dokumente zu speziellen Begebenheiten jedes Bahnhofs sind abrufbar. Beispielsweise Geschwindigkeitseinschränkungen. Wenn ich eine Strecke nicht so oft befahre, vergewissere ich mich jeweils vor der Abfahrt, ob ich noch alle Details richtig im Gedächtnis habe. Das geht einfach und schnell. Meine Begleiterin «LEA» trägt somit nicht zuletzt zur Sicherheit bei.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der heutige Betrieb ohne «LEA» möglich wäre. Genauso wie in allen anderen Berufen hat auch im Führerstand der elektronische Alltag Einzug gehalten. 

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2 Kommentare zu “Mit LEA im Führerstand.

  1. Hallo Markus
    Wie lange hält denn der iPad Akku mit aktivem LEA?
    Und was passiert, wenn du dein Ladekabel vergisst, hat’s in jedem Führerstand eins auf Vorrat? :-)
    Gruss, Thomas

  2. Hallo Thomas

    Der Akku hält erstaunlich lange. So um 8 Stunden oder noch mehr. Im Normalfall kommen wir aber nicht dazu, das zu testen, denn ja, auf mittlerweile fast allen Führerständen ist ein LEA-Ladekabel installiert. Und auch in den Personalräumen gibt es Ladekabel.

    Lieber Gruss,
    Markus

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