Rundumerneuerung der Intercity-Neigezüge.

Lieber Dr. Bahnsinn

Ich habe kürzlich Züge gesehen, die vorne einen SBB Doppelpfeil haben, andere gleiche Züge wiederum nicht. Warum denn das?

Gruss Silvan

 

Hallo Silvan

Du bist ja ein richtiger Trainspotter ;-) Im Ernst, die Doppelpfeile haben mit den aktuellen Erneuerungen unserer Züge zu tun. Seit 2012 werden unsere 44 Intercity-Neigezüge komplett rundumerneuert. Zug für Zug wird dafür in den nächsten sieben Jahren in unser Instandhaltungswerk in Yverdon-les-Bains überführt, wo jeder ein frisch gestaltetes Interieur erhält und für das 3G-/4G-Mobilnetz fit gemacht wird. Die Rundumerneuerung dauert etwa 25 Tage und umfasst auch technische Teile wie Drehgestelle, Fahrmotoren oder Türen sowie eine optische Aufwertung mit neu lackierten Wagenkasten und Einstiegstüren. Die Züge glänzen nachher wie neu und sind einsatzbereit für weitere 12 Jahre auf den Schienen.

ICN
Intercity-Neigezug (ICN) nach der Modernisierung.

Um auf deine Frage zurückzukommen: Die ICN erhalten neben einem einheitlichen Aussehen an der Nase auch ein SBB Logo, quasi als Erkennungsmerkmal der Modernisierung. Übrigens haben wir bei der Erneuerung dieser Züge gerade Halbzeit – aktuell fahren also 22 mit, die anderen 22 ohne SBB Logo.

Modernisierter Doppelstock-Pendelzug Plus (DPZ Plus) der Zürcher S-Bahn.

Gleiches trifft übrigens auch auf die ersten Züge der Zürcher S-Bahn zu: Auch hier ist aktuell in etwa die Hälfte der über 100 Züge komplett erneuert worden und auch sie haben nach der Fitnesskur den SBB Doppelpfeil an der Lok-Spitze. Aus den Doppelstockzügen DPZ werden DPZ plus, wobei das Plus im Namen für mehr Komfort steht: sprich Klimatisierung, erneuerte Innenräume, grosszügige Einstiegszonen sowie Informationsbildschirme.

Innenraum DPZ Plus
Innenraum (2. Klasse) des modernisierten Doppelstock-Pendelzuges Plus (DPZ Plus) der Zürcher S-Bahn.

Und wenn wir schon beim Thema Renovieren von Zügen sind: Die SBB investiert auch in die Aufwertung der Steuerwagen des Typs IC Bt, welche im Intercity- und im Interregio-Verkehr landesweit eingesetzt werden. Bei 60 Fahrzeugen werden in den nächsten Jahren einerseits die Sitzbezüge erneuert und im Fahrgast-Innenraum, in den Vorräumen, im WC und Führerstand die bisherigen Leuchtstoffröhren durch energieeffiziente LED-Röhren ersetzt.

Businessabteil ICN
Businessabteil im modernisierten ICN.

Dein Dr. Bahnsinn

 

44 Artikel

24 Kommentare zu “Rundumerneuerung der Intercity-Neigezüge.

      1. Erst ab 2019?! Die ICN sind jünger und bekommen bereits ein grosses Refit. Ist dies so, weils Triebzüge sind und keine «einfachen Waggons»? Oder kann man keine IC 2000-Komposition entbehren, weil Bombardier mit den neuen IC-Doppelstöckern Verspätung hat?

        1. Hallo Alen, danke für deine Frage. Die Zeit bis zum Serienstart im 2019 wird benötigt, um das ganze Modernisierungsprogramm im Detail zu planen. Hierbei überprüfen wir beispielsweise, was alles gemacht werden muss. In dieser Planungszeit werden auch Prototypen konzipiert, umgesetzt und getestet. Mit über 300 IC-2000-Wagen wird es das grösste Modernisierungsprojekt der Fernverkehrsflotte werden. Und um sowas hinsichtlich Termin, Qualität und Budget stemmen zu können, braucht es den erwähnten Projektvorlauf. Nach der Modernisierung stehen die Doppelstockwagen weitere 20 Jahre im Betrieb.

        1. Hallo Robert, inzwischen habe ich die Antwort von unseren Rollmaterial-Spezialisten erhalten: auf den Repeater-Einbau in die Steuerwagen IC Bt + Bt IC2000 wurde ursprünglich aus technischen Gründen verzichtet (möglicher Einfluss der Repeater und Public Frequenzen auf ETCS, GSM-R, welche im gleichen Fahrzeug untergebracht sind). Eine Nachrüstung mit Repeatern sowie Steckdosen ist zurzeit nicht geplant. Die EW IV erhalten bei der nächsten grossen Revision Steckdosen.

  1. Wird der Eingangsbereich der alten Zürcher S-Bahnen ebenerdig gemacht? War letzte Woche oft unterwegs und bin nur auf die alten Wagen gestossen. Mit Kinderwagen sind die eine richtige TORTUR!!

    1. Hallo Marco, die 115 Doppelstockpendelzüge (DPZ) der ersten Generation werden bis 2018 modernisiert. Wie Kevin es bereits erwähnt hat, erhalten die modernisierten Züge (DPZ Plus) einen neuen Niederflur-Doppelstockwagen (NDW) mit ebenerdigem Einstieg. Dieser Wagen ist an der glatten Aussenwand resp. Türe erkennbar. Das Trittbrett ist nicht mehr sichtbar, sondern es wird es beim Öffnen der Türen ans Perron hinausgefahren. Ausserdem sind die Türen mit dem Symbol für Kinderwagen und Rollstuhl gekennzeichnet. Mehr Informationen sowie einen Film zur Modernisierung findest du unter http://www.sbb.ch/lion

      Übersicht zur Niederflurigkeit von S-Bahnen und Bahnhöfen im ZVV

  2. Ich sitz gerade in einem Neigezug im ‚Notebook-Abteil‘ – und kann kaum arbeiten, weil mir 1. übel von dem Gewackel ist und 2. Die Steuerung mit der Maus kaum möglich ist – ebenfalls aufgrund des Gewackels….Wie mir wäre der Mehrheit der Zugreisenden wohl lieber, Sie würden diese Neigezüge einfach ganz aus dem Verkehr ziehen. Bis wann dürfen wir denn damit rechnen?

    1. Die ICN sind laufruhig genug und die Neigefunktion ist sinnvoll, weil sie effektiv auch ohne Streckenneubau die Fahrzeit verkürzt. Warum sollten alle Reisenden länger unterwegs sein müssen, nur weil Exoten unterwegs mit einer Maus arbeiten wollen?!

      1. Konkret wars das Tochpad, und damit gehörte ich damit zu den exotischen ca. 70%, die im selben Wagen am Laptop sassen….und zu der auch nicht wahnsinnig exotischen Mehrheit, denen es im Neigezug schlecht wird. Es ist keine Verkürzung der Zeit, wenn man sie aus Übelkeit nicht sinnvoll nutzen kann!

        1. Hallo Esthi, danke für dein Feedback. Die Intercity-Neigezüge wurden in erster Linie beschafft, um die Fahrzeit zu verkürzen, dies ohne teure Investitionen in Gleisanlagen. Dass dies gewisse Komforteinbussen zur Folge hatte, ist uns bewusst, war aber unvermeidlich. Die Neigetechnik löst zusätzliche Bewegungen um die Wagenlängsachse aus. Dabei befindet sich das Drehzentrum ungefähr auf Bauchhöhe der sitzenden Passagiere, die Neigebewegung wird darum im Stehen deutlich stärker empfunden als im Sitzen. In der Vergangenheit führten wir eine Studie zur Reisekrankheit durch. Dabei stellten wir fest, dass es lediglich eine Minderheit von Reisenden gibt, die ganz generell anfällig sind für Kinetose (Reisekrankheit), und zwar unabhängig vom gewählten Verkehrsmittel. Übelkeit beim Autofahren ist besonders ausgeprägt. Bei den meisten unter Kinetose Leidenden gibt es situative Elemente, die Übelkeit auslösen können (Müdigkeit, Stress, voller oder leerer Magen), ferner die Strecke und Fahrweise. Das Phänomen ist also nicht Bahn- oder Neigezug-spezifisch.

          Von einer Reisenden resp. Neigezugfahrerin haben wir folgende Empfehlungen erhalten: nicht den ersten Wagen des Neigezuges benutzen. Der Zweite oder gar der Dritte ist am idealsten. Nicht ans Fenster setzen, die Neigebeschleunigung ist dort am grössten. Vermeiden, während der Fahrt zu stehen. Ich hoffe, dass ich einige Zusammenhänge aufzeigen konnte und die Tipps zu hoffentlich angenehmeren Fahrten im Neigezug führen.

          1. Es ist alles gut erklärt, aber: Als pensionierter Lokführer bin ich selber sehr gerne mit dem ICN gefahren und empfand es jedesmal als Highlight, trotz den anfänglichen Störungen (Kinderkrankheit). Gerne würde ich weiterhin mit meiner Ehepartnerin diese Züge benützen, doch für sie gibt es ein anderes medizinisches Problem, was mit Reisekrankheit nichts zu tun hat – ihre Augen. Seitliche Bewegungen in der Sehperipherie sind für sie schwierig zu erdulden und führen zu Übelkeit, besonders in Bodennähe. Kurven beim ICN, untere Etage bei Doppelstöckern) Schuld daran sind ihre „löchrigen“ Sehnerven, woher auch immer.
            So muss ich jede Reise mit den verfügbaren Mitteln sorgfältig geplant werden ohne ICN-Benützung und beim DOSTO oben. Beim Autofahren ist es insofern bessser, weil der Blick nach vorne konzentriert werden muss und der periphere Bereich weniger belastet ist.

  3. Die S-Bahnzüge der ersten Generation werden neuerdings mit umfassend revidierten Re 4/4 geführt. Was ist der Grund dafür ? Und zweitens was wurde mit den bisherigen Triebfahrzeugen gemacht ?

    1. Hallo Herr Nägeli
      Bei der Modernisierung der ersten Generation von DPZ zu DPZplus wird jeweils ein Doppelstockwagen zweiter Klasse (direkt nach der Lok) durch einen Wagen mit Niederflureinstieg (NDW) ersetzt.
      Die Komposition ist dann so formiert: /Re450|-|NDW|-|AB|-|Bt\
      (Re450 = Lok, NDW = Niederflureinstieg, AB = Wagen 1./2. Klasse, Bt = Steuerwagen 2. Klasse)
      Die freiwerdenden Doppelstockwagen zweiter Klasse (kurz B DPZ) werden ebenfalls aufgefrischt und zu B DPZ HVZ (=Hauptverkehrszeit). Diese werden zusammen mit zwei modernisierten Re 4/4 LION zu Pendelzügen formiert, welche die alten einstöckigen Zusatzzüge ersetzen.

  4. Warum wird bei der Revision der ICN in der ersten Klasse die Sitzpolster von Leder auf Stoff geändert. Andere Bahnen machen das gerade umgekehrt. Ich finde die Ledersitze sehr angenehm auch wenn man etwas hin und herrutscht beim Bremsen. Bei den FLIRT finde ich es richtig, dass sie ausgetauscht werden, weil der Zug ein viel grössere Anfahrkraft und Bremskraft aufweist.

    1. Hallo Ruedi. Neu verwenden wir bei den modernisierten ICN – wie auch in den anderen Zügen – Sitzbezüge aus Stoff. Diese eignen sich gut für den langlebigen Einsatz. Ferner haben wir vor allem in den heissen Sommermonaten Reklamationen zu den Ledersitzen erhalten. Ausserdem altert das Leder nicht schön, was in den noch nicht modernisierten ICN häufig sichtbar ist. Dies alles waren für uns Gründe, auf den bewährten Stoffbezug zu setzen.

      1. Aha. Da ist die Antwort auf eine Frage die ich mir schon länger gestellt habe: „Wieso gibt es neben den ICN’s mit den angenehmen, schönen und hygienischen Ledersitzen auch die mit diesen hässliche Stoffbezügen, diese Staub und Virenfänger?“ Und einen Hinweis auf die Antwort auf die Frage: „Wieso gibt es sowohl ICN’s mit 4’er Arbeitsabteilen als auch solche mit 6’er (Stoffbezug)?“ – Modernisierung! Bewährte Stoffbezüge.
        Machen Sie doch die noch altbewährteren Holzbänke bei der nächsten Modernisierung rein. Die altern dann noch besser und bieten noch mehr Kapazität.

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