Schön abgelegen – ein Ausflug ins Calfeisental.

Für einen Tagesausflug in den südlichsten Zipfel des Kantons St. Gallen bedarf es ein Minimum an Planung. Exakt zweimal bedient das Postauto am Vormittag die Strecke Bad Ragaz – Gigerwald Staudamm im Calfeisental. Aber die Vorbereitung lohnt sich! Fern von Alltagshektik warten hier hinten eine idyllisch gelegene Walsersiedlung und jede Menge Natur pur darauf, die Besucher zu verzaubern.

 

Wir entscheiden uns für die erste Postautoverbindung, die uns kurz vor zehn Uhr morgens zum Gigerwald Staudamm hinaufbefördert. So bleibt uns genügend Zeit, eine Rundwanderung im Calfeisental zu unternehmen und in der Walsersiedlung einzukehren. Soweit der Plan. Zuerst einmal gilt es aber, noch vor sieben Uhr in der Früh am Bahnhof Zürich Kaffee und Gipfeli zu besorgen. Als Wegproviant für die gut einstündige Zugfahrt bis nach Bad Ragaz.

Ich ergattere mir einen Sitzplatz auf der linken Zugseite – bei einer Fahrt entlang dem Zürich- und Walensee ist das quasi Pflicht. Die Aussicht auf die durchs Zugfenster vorbeirauschende Landschaft begeistert mich jedes Mal aufs Neue. In Bad Ragaz steigen wir aufs Postauto um, das uns bis nach Vättis Post bringt.

Das Highlight dieser Strecke ist die Fahrt über die Ende Juni 2017 eröffnete Taminabrücke. Mit einer Spannweite von 260 Metern die grösste Bogenbrücke der Schweiz, beeindruckt sie vor allem mit ihrer imposanten Lage hoch über der tief eingeschnittenen Taminaschlucht. Auch sonst lohnt sich der Blick aus dem Fenster. Die Talflanken zwischen Valens und Vättis schimmern im noch sanften Morgenlicht golden.

In Vättis müssen wir für die letzten zwanzig Minuten Fahrt ins eigentlich bereitstehende Anschlusspostauto umsteigen. Doch die rund ein Dutzend wanderlustigen Ausflügler (inklusive uns) stehen ratlos an der Haltestelle herum. Kein Postauto weit und breit. Haben wir uns alle in der Zeit vertan?

Doch dann – mit gut zehn Minuten Verspätung – kommt doch noch ein Postauto um die Ecke. «Technische Probleme», erklärt der Chauffeur und lässt in der Eile beinahe zwei Fahrradfahrer, die ihr Velo zuerst hinten aufladen, stehen.

Als Wiedergutmachung für die verlorene Zeit hält er dafür für die Bergsteiger mit Ziel Pizol extra eine Kurve oberhalb der Haltestelle Gigerwald Restaurant direkt beim Wanderwegeinstieg. Wir bleiben bis zur Endhaltestelle Gigerwald Staudamm sitzen und geniessen dort zuerst einmal den Panoramablick über den Gigerwaldsee. Ab der Staumauer des Gigerwaldsees gehört das Calfeisental zum UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona.

Danach folgen wir dem Teersträsschen, das uns in gut 45 Minuten zum kleinen Weiler St. Martin bringt. Die Siedlung war ab dem 14. Jahrhundert bis Mitte des 17. Jahrhunderts ganzjährig von den freien Walsern bewohnt, die vermutlich via Trinser Furgga von Flims her ins abgelegene Seitental einwanderten. Heute erinnern deutsche Flurnamen und das Kirchlein St. Martin an diese Epoche.

Fürs Erste begnügen wir uns mit einem Blick aus der Ferne und Folgen der Wanderwegsignalisation Richtung Talkessel.

Ambitionierte Wanderer haben die Möglichkeit in gut 3.5 Stunden zur Sardonahütte hinaufzusteigen. Weniger weit, aber nicht minder schön ist der Abschnitt der Tamina entlang bis zur Sardonaalp. Ursprünglich wäre dies unser Plan gewesen. Doch die Sonne brennt kurz nach zehn Uhr derart ungnädig vom Himmel, dass wir uns kurzerhand für eine Abkürzung entscheiden und stattdessen die «dickste Fichte» ansteuern.

Insgesamt 55 spezielle Plätze hat die Ferienregion Heidiland als «Orte des Staunens» betitelt. Dazu gehört eine der dicksten Rottannen der Schweiz mit einem Stammdurchmesser von stolzen 1.84 Metern auf dem Stockboden oberhalb von St. Martin. Um dorthin zu gelangen, überwinden wir gut 200 Höhenmeter, bis wir eine idyllische Hochebene erreichen, die an klaren Tagen einen schönen Blick Richtung Piz Sardona bieten würde. Heute sehen wir nur eine dunkle Wolkenschicht, die einen Wetterumschwung ankündigt.

Unweit der markanten Rottanne erinnert der Flurname «Friedhöfli» an den ehemaligen Friedhof der Walser, der sich hier oberhalb des Weilers befand. Auf dem Rückweg machen wir einen lohnenswerten Schlenker zum Chilchlichopf – oder gemäss der Walserbezeichnung: Ancapaa. Von unten ist der Felsvorsprung dank dem installierten Kreuz gut ersichtlich. Oben ist Schwindelfreiheit gefragt für alle, die sich bis zur Abbruchkante vortasten möchten. Ein toller Aussichtspunkt ist es allemal.

Zwanzig Minuten später finden wir uns mitten im Trubel von St. Martin wieder. Während das hintere Calfeisental ein ruhiges Wanderparadies ist, wird die Walsersiedlung St. Martin insbesondere an sonnigen Wochenendtagen gut frequentiert. Wir erwischen dennoch ein freies Plätzchen auf der Terrasse und bestellen einen Sankt Martin-Teller mit Salsiz, Alpkäse, Bauerncoppa und Rohschinken. Dazu wird uns frisches Bauernbrot aus dem Holzofen serviert.

Alleine dafür lohnt sicher Ausflug ins Calfeisental! Sehr fein sind auch die Dessertoptionen. Mein Favorit: Der Coupe Sankt Martin mit Vanille, Haselnuss, Pistace, karamellisierten Baumnüssen, Eierlikör und Schokoladensauce.

Allzulange können wir nicht verweilen. Schliesslich wollen wir die letzte Postautoverbindung zurück Richtung Bad Ragaz erwischen. Wir sind uns einig, dass wir bald wieder einmal ins Calfeisental zurückkehren und die Wanderung zur Sardonahütte in Angriff nehmen werden. Heute aber geht’s vor der Heimreise in Bad Ragaz noch in die angenehm kühle und unglaublich imposante Taminaschlucht.

 

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