Der Sonne nach: Mit der Centovalli-Bahn ins Tessin.

Es ist wieder soweit: Mit dem November künden sich im Mittelland die trüben Hochnebeltage an. Wer zwischendurch Vitamin D tanken möchte, reist der Sonne nach. Meine Lieblingsstrecke für einen Tagesausflug inklusive Ferienfeeling – und meist auch Sonnengarantie – ist die Fahrt mit der Centovalli-Bahn von Domodossola nach Locarno. Und das geht am besten mit der Spartageskarte.

Die Verheissung nach gutem Essen und sonnenreichen Stunden lockt uns am Samstagmorgen früh aus den Federn. Während wir mit dem Tram zum Hauptbahnhof Zürich fahren, ist es draussen noch stockdunkel. Mit Milchkaffee und Gipfeli versorgt, suchen wir uns einen Platz im IC Richtung Bern. In der nächsten Stunde sehen wir den vorbeiziehenden Ortschaften beim Erwachen zu. In Bern ist bereits bedeutend mehr los und der Eurocity mit Ziel Milano gut gefüllt.

Kurz nach neun Uhr morgens erreichen wir unseren ersten Etappenstopp Domodossola. Der Samstagsmarkt ist ein beliebtes Ausflugsziel und dementsprechend leert sich unser Wagen bis auf den letzten Platz. Die Dimensionierung der Treppenauf- und -abgänge am Bahnhof Domodossola scheint nicht auf diesen wöchentlichen Ansturm aus der Deutschschweiz ausgelegt zu sein.

Bahnhof Domodossola
Bahnhof Domodossola

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«Ui, wird das voll», denke ich im ersten Moment, um wenige Minuten später im charmanten Altstadtkern von Domodossola beruhigt festzustellen, dass wir abseits des Wochenmarkts entspannt durch die Gassen schlendern können. Wir versorgen uns in der Pasticceria Camerlengo mit frischen Amaretti und setzen uns danach am Rande der Piazza Mercato an einen der weiss eingedeckten Tische des Cafe Istriano.

Ein Cappuccino kostet hier gerade mal 1.40 Euro. Frisch gestärkt lassen wir uns von Marktstand zu Marktstand treiben, kaufen frischen Ziegenkäse, Speck und Süsskartoffeln und freuen uns insgeheim schon darauf, daraus ein köstliches Abendessen zuzubereiten.

 

 

Mit vollen Taschen begeben wir uns zurück an den Bahnhof Domodossola, um mit der Centovalli-Bahn ins Tessin weiterzureisen. Die 1923 erbaute Bahnstrecke führt auf 52 Kilometern über 80 kühn angelegten Brücken und durch 30 Tunnels durch die wildromantischen Landschaften des Vigezzotals und der Centovalli. Auch wenn ich diese Strecke schon mehrmals aus der Bahnperspektive erlebt habe, fasziniert sie mich jedes Mal aufs Neue. Ich bin auch immer hin- und hergerissen, auf welcher Seite ich mich hinsetzen soll. Da die Bahn auf Höhe Santa Maria Maggiore die Talseite wechselt, kommen beide Seiten zeitweise in den Genuss von spektakulären Blicken ins Tal. Je nach Uhrzeit muss ein Aufpreis von 1.50 Euro für die Fahrt im Panoramawaggon «Vigezzo Vision» bezahlt werden. Wir erwischen eine Verbindung ohne Aufpreis und drücken uns die folgenden zwei Stunden beinahe die Nase am Zugfenster platt.

Vigezzotal - Valle Vigezzo
Vigezzotal – Valle Vigezzo

Pünktlich mit dem knurrenden Magen fahren wir in Locarno FART ein. Die Haltestelle der Centovalli-Bahn befindet sich gleich neben dem SBB Bahnhof. Zielstrebig marschieren wir Richtung Piazza Grande, suchen uns ein sonniges Plätzchen und bestellen eine Pizza. Herrlich! So schnell katapultiert mich ein Samstagsausflug in den Ferienmodus. Wer danach die Kalorien direkt verbrennen möchte, der wandert den steilen Kreuzweg zur imposanten Wallfahrtskirche Madonna del Sasso in Orselina oberhalb von Locarno hoch. Alternativ lassen sich die Höhenmeter auch mittels Standseilbahn (kostenpflichtig) überwinden. Wir dagegen frönen weiterhin in vollsten Zügen dem Dolcefarniente und bummeln der Uferpromenade entlang. Bei einem Ausflug nach Locarno gehört für mich ein Gelato zum Pflichtprogramm. Das beste Kastanieneis gibt es meiner Meinung nach in der Vera Gelateria, die in Fussdistanz zwischen Bahnhof und See liegt.

Pizza essen auf der Piazza Grande in Locarno
Pizza essen auf der Piazza Grande in Locarno

Piazza Grande in Locarno
Piazza Grande in Locarno

Schneller als uns lieb ist, neigt sich der Tag dem Ende zu. Da wir von Locarno herkommend in Bellinzona sowieso umsteigen müssen, nutzen wir die Gelegenheit für einen kurzen Abstecher hinauf zur Burg Castelgrande. Sie ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes «Burgen von Bellinzona» und bietet einen herrlichen Panoramablick über den mittelalterlichen Stadtkern von Bellinzona. Hier findet ebenfalls samstags ein grosser Wochenmarkt statt – unser Ausflug liesse sich somit auch in umgekehrter Richtung absolvieren. Vorbei an den reich verzierten Patrizierhäusern und stattlichen Kirchen spazieren wir zurück zum Bahnhof Bellinzona und lassen auf dem Weg zurück nach Zürich den ereignisreichen Tag Revue passieren.

Burgen von Bellinzona
Burgen von Bellinzona
Mittelalterliche Stadt Bellinzona
Blick vom Castelgrande auf das Castello di Montebello, das Castello di Sasso Corbaro und die Murata.

5 Artikel

Ein Kommentar zu “Der Sonne nach: Mit der Centovalli-Bahn ins Tessin.

  1. Ja super solche Angebote sollten vermehrt gemacht werden.War mit meinen Kollegen schon einige Male unterwegs mit den anderen Aktionen.Also weiter sooooooooo !,,,

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