Täglich grüsst ein Hauch von Schokolade.

Carolin Holland hat vor knapp einem Jahr für den «SBB Personenverkehr» zu arbeiten begonnen. Im Beitrag gewährt sie Einblick in ihre ersten Eindrücke von der Bahnbranche und den Arbeitsalltag als Ingenieurin in der Abteilung «Produktionstechnik» in Olten.

Früh morgens nehme ich den ICN von Zürich nach Olten. An sommerlichen Tagen wie heute gehe ich gerne vom Bahnhof zu Fuss zum Industriewerk. Noch bevor ich die Pforte erreiche, steigt mir der vertraute Duft der Schokoladenfabrik gegenüber in die Nase. So fängt der Morgen gut an. Lächelnd nehme ich die Treppe in den 3.Stock. Ich arbeite dort in der Abteilung «Produktionstechnik». Zu unseren Aufgaben gehört unter anderem die Produktionsunterstützung. Jeder von uns im Team hat eine bestimmte Zuständigkeit in der Produktion. Ich bin zusammen mit einem Kollegen für die Bremsprüfung im Werk Olten verantwortlich.

Kaum habe ich mein Notebook hochgefahren, klingelt das Telefon. Es gibt Probleme bei der besagten Prüfung. Schnell ziehe ich Sicherheitsschuhe und Warnweste an, schnappe mir meine Schutzbrille und gehe runter in die Produktion, um eine Lösung zu finden.

Neben der Produktionsunterstützung gehört auch die Projektarbeit zu meinem Arbeitsalltag. Wenn Änderungs- oder Modernisierungsaufträge von Fahrzeugflotten vorgesehen sind, arbeite ich vom Grobkonzept, über den Aufbau eines Prototyps, bis hin zur Serienumsetzung am Projekt mit.


Beim Fahrzeugumbau ist Flexibilität gefragt.

Als Nächstes treffe ich mich mit Lieferanten und Projektmitarbeitern, um den Terminplan für einen bevorstehenden Prototypenumbau zu besprechen. Neue Küchengeräte sollen in den Speisewagen eingebaut werden. Für mich ist das eine spannende Projektphase. Denn nicht immer entspricht das, was man hinter den Verkleidungen im Fahrzeug findet, den uns vorliegenden Zeichnungen. In solchen Fällen ist Flexibilität gefragt, um gemeinsam mit den Konstrukteuren schnell eine neue Lösung zu finden, damit der Zeitplan eingehalten werden kann.

 

Von der Automobilbranche zur SBB.

Für mich als Quereinsteigerin aus der Automobilbranche ist es beeindruckend zu sehen, wie unterschiedlich die Fahrzeugflotten sind und wie viel Aufwand in ihre Instandhaltung und Modernisierung gesteckt wird: Sei es, um neue Gesetzesanforderungen zu erfüllen oder um Unfallfahrzeuge zu reparieren.

Am Nachmittag lese ich mich in ein neues Modernisierungsprojekt ein, das die Anforderungen des Behinderten-Gleichstellungs-Gesetzes berücksichtigt. Meine Arbeit ist sehr vielfältig und ich schätze die Abwechslung zwischen Produktionsunterstützung und Projektarbeit sehr. Nicht selten sind es die notwendigen Rückmeldungen aus der Produktion, die zu Verbesserungen beitragen.

 

Blick über den Tellerrand.

Mein Arbeitstag endet mit einer Weiterbildung zum Thema Eisenbahntechnik am Bahnhof Olten, die ich zurzeit mit einem Arbeitskollegen besuche. Während des viermonatigen Kurses lernen wir Eigenschaften des Rollmaterials kennen und beschäftigen uns mit Aspekten der Infrastruktur, die für einen sicheren Bahnverkehr notwendig sind. Hier habe ich gelernt, dass bereits die Auslegung von Fahrzeugen einen grossen Einfluss auf Gleisinstandhaltungsarbeiten ausüben kann. Dieser Blick über den Tellerrand hinaus ist für mich hilfreich und wichtig. Denn nur so kann ich ein Gesamtverständnis für die SBB entwickeln.

Wenn ich nach dem Kurs auf dem Heimweg bin, erwische ich mich oft selbst dabei, wie ich prüfend die Fahrsignale beobachte oder mir den Aufbau der Gleise genauer anschaue. Wenn man einmal auf den «Bahngeschmack» gekommen ist, verschwindet er nicht mehr so schnell – so wie der Schokoladenduft in der Früh.

 

Autorin: Carolin Holland, Fachingenieurin Produktionstechnik, Fahrzeugindustrie, Personenverkehr

 

 

 

 

90 Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.