Wanderung auf die Rigi: 1414 Höhenmeter hinauf zum gemeinsamen Glück.

Als ehemalige Luzerner Studentin war die Rigi ein klein wenig mein Zuhause: Im Frühling dem Spriessen der Alpenblümchen zugeschaut, im Sommer der Hitze im Unterland entkommen, im Herbst dem Nebel entflohen und im Winter abenteuerlich den Berg hinuntergeschlittelt. Jetzt war es an der Zeit, die «Königin der Berge» endlich auch zu erwandern!

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So sitze ich nun am letzten Septembertag frühmorgens im Zug von Bern nach Luzern. Und da man das Glück ja gerne teilt, sitzen wir zu fünft im Zug und geniessen noch ein wenig verschlafen den eindrücklichen Sonnenaufgang am Horizont. Ein wunderschöner, fast schon sommerlich warmer Herbsttag mit wolkenlosem Himmel erwartet uns. Überzeugungsarbeit für die Rigi-Wanderung habe ich beim Wandergrüppchen kaum leisten müssen: Berner sind immer offen für Neues und das Argument, die Rigi sei weit weg und zu teuer, konnte mit der Tageskarte Plus gleich entkräftet werden. Denn zur Freude aller sind die Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee und Rigi-Bahnen im Streckennetz der Tageskarte und GA inbegriffen.

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Mit der MS Winkelried ins Wanderglück.

In Luzern angekommen, eilen wir zur Schiffstation und gehen an Bord der MS Winkelried mit dem Ziel Vitznau. Die Sonne erscheint gerade rechtzeitig über den Bergen und die Stadt Luzern zeigt sich von ihrer sonnigsten Seite. Nach der einstündigen Fahrt mit zahlreichen «Ahhs» und «Ooohs» erreichen wir das am Fuss der Rigi gelegene Vitznau. Alle Mitreisenden scheinen es eilig zu haben, um einen guten Platz im roten Rigi-Bähnchen zu ergattern, nur wir nicht. Wir spazieren vorbei an der Bahn und starten sogleich unsere Wanderung: 1414 Höhenmeter und 10 Kilometer liegen vor uns, von Vitznau via Gruebisbalm, Romiti-Felsentor, Rigi Kaltbad, Rigi First hoch zur 1798 Meter hohen Rigi Kulm.

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Zur Belohnung: Outdoor-Fondue inmitten herrlichem Alpenpanorama.

Der idyllische Wanderweg führt uns in abwechslungsreicher Manier stets ein paar Höhenmeter nach oben – einige Male kreuzen wir die Gleise der Rigi-Bahn und würdigen die Aussicht auf Vierwaldstättersee und Bergwelt mit einigen Pausen. Das Dörfchen Rigi Kaltbad mit den vielen Touristen bringt uns kurz aus dem Trott – so viel Rummel auf einen Schlag überrascht uns. Erleichtert lassen wir das rege Dorfleben hinter uns – und damit leider aber auch das schön gestaltete Wellnessbad Rigi Kaltbad – und suchen möglichst einsame Wege nach oben. Nach gesamthaft drei schweisstreibenden Stunden hält uns der knurrende Magen jedoch vom Weiterlaufen ab. In der Nähe des Rotstocks finden wir die perfekte Raststelle um unsere Rucksäcke zu plündern. Diese sind mit viel Käse, Brot, Weisswein und einem Spirituskocher gefüllt. Unser wunderbares Outdoor-Käsefondue geniessen wir unter neidischen Blicken (von Schweizern) und sich wundernden Blicken (von Touristen).

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Auf dem Gipfel.

Mit viel geschmolzenem Käse und Weisswein im Magen wandert es sich definitiv nicht mehr so locker. Deshalb sind wir froh, ist der rot-weisse Sendeturm der Rigi Kulm schon in Sichtweite – der Weg zum Gipfel fühlt sich deutlich länger an, als die vergangenen drei Stunden. Ablenkung erhalten wir von den zahlreichen Touristen, die nahe am Abgrund ihre Selfies knipsen. Mit der einsamen Wanderung ist es spätestens ab Rigi Staffel vorbei, von allen Seiten strömen Besucher aller Herren Länder auf den beliebten Innerschweizer Ausflugsberg.

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So kämpfen wir uns die letzten Höhenmeter zusammen mit den anderen Besuchern hoch zur Antenne, wo uns ein grandioses 360-Grad-Panorama erwartet. Das obligate Raten über die Namen der 13 sichtbaren Seen und unzähligen Berggipfel lassen wir hinter uns und begeben uns zum Rigi Kulm Restaurant. Bei einem abschliessenden Kaffee, Kuchen und Bier lassen wir die Wanderung noch einmal Revue passieren und meine Begleiter und ich sind uns einig: die müden Beine, der Käse-Magen und der leichte Sonnenbrand haben sich gelohnt. Die Rigi ist auch für Berner Unterländer einen Ausflug wert. Und so steigen wir zufrieden ein in die Rigibahn und lassen uns gemütlich mit der Zahnradbahn die 1414 Höhenmeter nach Vitznau zurückchauffieren.

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Details zur Wanderung auf die Rigi ab Vitznau.

  • Start: Vitznau Schiffstation
  • Ende: Rigi Kulm (1797 m) und mit der Zahnradbahn zurück nach Vitznau
  • Anfahrtstipp: via Schiff nach Vitznau von Luzern aus. Mit der Tageskarte Plus oder dem vergünstigten RailAway Angebot
  • Via: Gruebisbalm (904 m) – Romiti (1195 m) – Rigi Kaltbad (1436 m) – Rigi First (1480 m)
  • Zeit: ca. 4.5 h
  • Höhendifferenz: 1414 m Aufstieg und nur 57 m Abstieg
  • Kilometer: 10 km
  • Belag: 10% Asphalt, sonst meist Kies
  • Schweisstropfen: 
    tropfentropfentropfentropfen_grautropfen_graueinerseits zuzuschreiben dem herrlich warmen Septemberwetter, andererseits generiert der Aufstieg mit den 1414 Höhenmeter auch so den einen oder anderen Schweisstropfen
  • Angsttropfen: 
    tropfentropfen_grautropfen_grautropfen_grautropfen_graubis zu Rigi Kaltbad wandert man auf einsamen Pfaden, ab Kaltbad muss man aufpassen, nicht von Selfie-Sticks erschlagen zu werden
  • Fauna: Esel, Ziegen, Schafe, Kühe, Schmetterlinge
  • Flora: viele Herbstzeitlose, vereinzelte Enziane und zahlreiche mir unbekannte, aber nichtsdestotrotz schöne Blumen
  • Highlight: ganz klar die Aussicht auf die prächtige Bergwelt
  • Einkehren: auf dem Weg nach oben säumen zahlreiche einladende Alpbeizli den Weg, deshalb müsste man kaum an Hunger oder Durst leiden

 

Weitere Informationen zur Wanderung auf die Rigi findest du hier.

 

Tageskarte Plus.
Reise mit Freunden und Familie günstig in den Herbst: Die Tageskarte Plus ist vom 19. September bis 6. November 2016 erhältlich und gilt für Kleingruppen von zwei bis vier Personen. www.sbb.ch/plus

 

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